Biographie

(Autorenportrait von Rudi Kost, aus: Tödliche Beziehungen, Diana Verlag, Zürich 1984)

Nicht allein diesem ominösen Kürzel -ky und dem werbewirk- samen Versteckspiel, das mit ihm jahrelang getrieben wurde, verdankt der Berliner Soziologieprofessor Dr. Horst Bosetzky seine überaus große Popularität.

Mit seinen ersten beiden Romanen „Zu einem Mord gehören zwei” (1971) und „Einer von uns beiden” (1972) erschien auch die Ahnung von etwas Neuem in der deutschen Kriminalliteratur.

-ky wurde geradezu zum Inbegriff des „Sozio-Krimis”, der die Leichen nicht zur gefälligen Abendunterhaltung liefert, sondern mit ihnen ausdrücklich aufklärerische Absichten verbindet.

-ky untersucht die sozialen und politischen Zustände in diesem Land und die daraus folgenden psychischen Verletzungen der Menschen. Dabei verleugnet er nicht seinen eigenen politischen Standort, seine Distanz zum herrschenden System.

Dessenungeachtet sind seine neun Romane und drei Kurzgeschichtensammlungen keine Lehrbücher. Die sozialen Analysen und politischen Exkurse sind eingebunden in eine rasante Handlung, die mit Action-Szenen, zynischen Wortwitzen und grotesk überdrehten Situationen gespickt sind - was ihn auch für das Kino attraktiv gemacht hat: „Einer von uns beiden” (1972) und „Kein Reihenhaus für Robin Hood” (1979) wurden verfilmt.

Ein anderes Merkmal des Schriftstellers -ky konnten die Filme freilich nicht transportieren. Es ist sein Unbehagen an glatt erzählten Geschichten. Er bricht die Handlung auf, mehrere Erzählebenen spiegeln verschieden Bewußtseinsstufen wieder am extremsten der Briefroman: „Die Klette” (1983).

Die Verwirrung des Lesers folgt aus dem Zusammenprall unterschiedlich erlebter Standpunkte, nicht aus der Unsicherheit über den Täter. Der ist manchmal gar nicht zweifelsfrei dingfest zu machen: In „Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen” (1972) offeriert -ky gleich mehrere Möglichkeiten. Die Rebellion gegen die traditionellen Krimi-Muster in formaler Hinsicht steht in Einklang mit der Auflehnung gegen die üblichen Inhalte.

-ky's Figuren zerbrechen am Daseinskampf; die sie umgebenden Realitäten verhindern ein Leben nach eigenen Vorstellungen. Es sind Außenseiter, von ihrer Umwelt in die Isolation und in Tagträume getrieben, ihre kriminellen Aktionen sind psychische Amokläufe: Rache an den Peinigern „Ein Toter führt Regie” (1974); „Es reicht doch, wenn nur einer stirbt” (1975), verzweifelte Fluchtversuche aus den Normierungen des Alltags „Stör die feinen Leute nicht” (1973); „Einer will's gewesen sein” (1978).

-ky bedient sich dazu gegensätzlicher Umfelder. Einmal ist es die große Stadt Berlin, seine Heimatstadt (hier wurde er 1938 geboren, hier lebt er heute), mit ihrer Anonymität, die Träume vom besseren Leben geradezu provoziert; auch der Kriminalkommissar Mannhardt ist davon nicht ausgenommen. Zum anderen ist es die fiktive Kleinstadt Bramme; zwar überschaubar, doch festgefahrene soziale Strukturen und politische Intrigen ersticken alle Ansätze zur Individualität im Keim, ja machen selbst das Bemühen um Wahrheit unmöglich: die scheinbare Geborgenheit der Kleinstadt erweist sich als Gefängnis. Sogar der dortige Kommissar Kämena, die Karikatur eines Kriminalbeamten, erscheint nur als hypochondrische Marionette der Herrschenden.

Im Detail